|
TRANSLATE
Wir sind über die Apartheid
hinausgegangen
http://www.aljazeera.com/indepth/opinion/2012/04/2012428124445821996.html
Friedensaktivist Jeff Halper befürchtet, dass
Israel die Zone C annektieren wird – mit dem Einverständnis der
Palästinensischen Behörde.
Interview Jeff Halper mit Frank Barat, 2.5. 12
Ich traf mich mit Jeff Halper , seit langem ein
israelischer Friedensaktivist, Direktor des israelischen Komitees
gegen Hauszerstörungen (ICAHD) und Autor vieler Bücher, während er
auf einer Vortragsreise in Europa war. Hier ist das, was er über die
Situation Palästina/Israel sagte.
FB. Ich würde gerne damit anfangen, was in
Jerusalem geschieht. Als ich 2007 kam, führten Sie uns nach Silwan
und sprachen von dem großen Hauszerstörungsplan den die israelische
Regierung im Sinne hatte. Sie sagten uns, dass dank den Bemühungen
vieler, einschließlich einer Intervention durch die USA, die
Zerstörungen nicht geschehen. Heute sieht es so aus, als ob die
Zerstörungen trotzdem stattfinden. Können Sie uns sagen, wie das
heute ist und einen weiteren Einblick über das, was die Leute jetzt
oft erwähnen von der „ethnischen Säuberung“ von Jerusalem?
JH. Nun lassen sie mich ein umfassenderes Bild
über die ganze Sache geben und dann können wir zurückgehen in den
Kontext. Ich denke, dass das, was jetzt auf uns zukommt ein Israel
ist, das grundsätzlich aufgehört hat. Wir sind über die Besatzung
hinaus gegangen. Die Palästinenser sind befriedet worden und von
Israels Standpunkt aus, ist der ganze Konflikt, die ganze Situation
normalisiert worden.
Netanyahu flog letzten Monat nach Washington, um
sich mit Obama zu treffen. Als er zurückkam, wurde sein Berater
gefragt, was gibt es Neues nach diesem Treffen. Und der Berater
sagte: „Dies ist das erste Mal, dass sich ein isr. Ministerpräsident
mit einem US-Präsidenten traf und das palästinensische Problem nicht
einmal erwähnt wurde. Es wurde überhaupt nicht angesprochen.“ In
dieser Situation, in der die US wirklich gelähmt ist, weil Netanyahu
beide Parteien im Kongress hatte und Obama nichts tun will - machte
Netanjahu den letzten Schritt, um die ganze Sache festzunageln.
Israel könnte gut die Zone C annektieren. Zone C
sind 60% von der Westbank. Der Vorsitzende des EU-Rates in Jerusalem
und Ramallah sandten vor ein paar Monaten einen Bericht am die EU,
Israel hat zwangsweise Palästinenser aus der Zone C vertrieben.
Zwangsweise Vertreibung ist für europäische Diplomaten ein harter
Ausdruck.
Die Zone C hat weniger als 5% der
palästinensischen Bevölkerung. 1967 lebten im Jordantal etwa 250
000; heute sind es weniger als 50 000 Palästinenser. Sie sind
entweder aus dem Land vertrieben worden, besonders die Mittelklasse,
oder sie wurden in die Zone A oder B vertrieben worden. Dort leben
jetzt 96 oder 97 % von ihnen.
Die palästinensische Bevölkerung ist jetzt so
sehr zusammengeschmolzen, dass jetzt wahrscheinlich um 125 000
Palästinenser in Zone C sind, dass Israel die Zone C annektieren
und ihnen volle Staatsbürgerschaft geben könnte. Mit andern Worten,
Israel könnte 125 000 Palästinenser absorbieren, ohne das
demographische Gleichgewicht zu verlieren. Und was wird die Welt
dann sagen? Es ist keine Apartheid – Israel hat ihnen die volle
Staatsbürgerschaft gegeben. Deshalb denke ich, dass Israel das
Gefühl hat, damit zurecht zu kommen. Keiner kümmert sich um das, was
in der Zone A und B passiert. Wenn die einen Staat erklären wollen,
dann sollen sie einen Staat erklären. Israel hat kein Interesse an
Ramallah, Nablus und Hebron.
Die USA sind übrigens schon damit einverstanden,
dass die Siedlungsblocks ein Teil Israels sind. Das Annektieren der
Zone C geht kaum weiter als die Siedlungsblöcke. Es geht nur darum,
die Umgebung der Siedlungen ein bisschen größer zu machen. Dann
kommt man nach Jerusalem. Ich denke das das, was Israel tun wird,
ist , den Palästinensern etwas im Süden und Norden zu geben in Beit
Hanina, Shuafat, Tubas …Es erlaubt ihnen die palästinensische
Staatsbürgerschaft zu geben. Auf diese Weise wird Israel weitere 100
000 Palästinenser los. Was die Regierung schon andeutet: die neue
Mauer rund um Jerusalem wird die Grenze sein. Was geschieht also
heute: Shuafat und Anata wurden durch eine große Mauer und einen
sehr großen Checkpoint herausgeschnitten.
Das gewaltige Bauen hinter der Mauer geschieht
noch in Jerusalem und die Palästinenser ziehen von innerhalb der
Mauer in die abgeschnittenen Außenbezirke. Dasselbe geschieht im
Norden Jerusalems. Auf diese Weise wird man wahrscheinlich noch
einmal etwa 100 000 Palästinenser los. Wenn sie erst einmal dort
sind, schneidet Israel das Gebiet ab, das der Zone C angeschlossen
wird. Israel hat also jetzt das ganze Land und isoliert die 97% der
Palästinenser in die Zonen A und B. Jerusalem ist jetzt 80- 85 %
jüdisch, weil die große palästinensische Bevölkerung nun vollkommen
außerhalb ist – in Shuafat und Anata oder innerhalb der Mauer mit
palästinensischer Staatsbürgerschaft – Israel muss sich also nicht
um sie kümmern.
Mit andern Worten: wir haben beendet ( was wir
wollten). Israel reicht jetzt vom Mittelmeer bis zum Jordan; die
Palästinenser sind in den Zonen A und B oder in kleinen Enklaven
in Ost-Jerusalem eingesperrt . Das ist es. Der Trick ist jetzt, dass
sie dies in Übereinstimmung mit der palästinensischen Behörde tun,
weil Fayyad ein Neoliberaler ist, denke ich.
Fayyad sagt zu Israel, wir benötigen kein Land.
Wenn ihr uns wirtschaftlichen Raum ( und Möglichkeiten) gebt, um
Geschäfte zu machen und unsere Geschäftsklasse wirken kann, ist es
OK und der Reichtum einiger, sich positiv auf die ganze
Gesellschaft, auf die Arbeitsklassen auswirkt, ist es gut genug.
Dann brauchen wir die Zone C nicht. Was der EU- Berater in seinem
Bericht sagte, ist dass die Palästinensische Behörde die Zone C
vollkommen aufgegeben hat. Wenn Regierungen oder Agenturen zur
Palästinensischen Behörde wegen Investitionen kommen, sagt die PA
ihnen, sie sollen nur in die Zone A und B investieren. Investiert
nicht in die Zone C! Sie haben Zone C aufgegeben.
Die Idee ist, dass Israel Handel erlaubt, freie
Bewegung zwischen diesen palästinensischen Enklaven. Ich nenne es
eine „ lebensfähige Apartheid“. Ich denke, dass Fayyad eine
lebensfähige Apartheid entwickelt hat, indem er sagt, dass wir in
der neoliberalen Welt wirtschaftlichen Raum benötigen, keinen
territorialen. Man lässt uns unsere Waren frei in die arabische Welt
liefern, man gibt uns Zugang zum israelischen Markt – das wäre schön
. mit andern Worten: alle Entwicklungen wie diese neue Stadt Rawabi
für die palästinensische Oberklasse, sind innerhalb der ZoneA und B.
Sie bauen nun eine Schnellstraße von Ramallah nach Jericho; die
Japaner bauen sie mit der PA. Dann werden entweder die Japaner oder
die USAID von Ramallah nach Bethlehem eine Schnellstraße bauen, so
wird Jerusalem mit E1 Israel einverleibt.
Ich denke, man kann in ein Geschäft mit Israel
kommen, dass die Zone C annektiert und das Jerusalem genommen hat.
Sie werden den Palästinensern etwas Symbolisches geben, wie die
Kontrolle über den Tempelberg; man kann in Abu Dis wieder eine
Hauptstadt machen.
Im Wesentlichen ist das, was ich sage, dass sie
dies festmachen wollen in einem Abkommen mit der palästinensischen
Behörde. Wenn man den Palästinensern in Zone C die israelische
Staatsbürgerschaft gibt und die PA damit einverstanden ist, ist das
wirtschaftlicher Frieden, über den Netanjahu und Fayyad gesprochen
haben. …. (dt. und stark
gekürzt: Ellen Rohlfs)
|