"Lächle, du bist in Gaza - dem größten Gefängnis der Welt!" - Jürgen Todenhöfer - Unser Gaza-Tagebuch - Liebe Freunde, die Welt ist feige, wenn es um Gaza geht! Letzte Woche fuhr Johanna für unsere 'Stiftung Sternenstaub', nach Gaza. Fast alles... ist noch wie bei Kriegsende. Die Not, das Leid, die ausgebombten Stadtviertel. Netanjahu lässt das zum Wiederaufbau erforderliche Baumaterial nicht rein. Noch immer ist auch der ägyptische Grenzübergang Rafah total zu. Der israelische Übergang Erez sowieso.

"Lächle, du bist in Gaza- dem größten Gefängnis der Welt!" steht auf einem Schild vor einem kleinen Laden.

Johanna berichtet: "Wir fahren zu einer der Schulen, für die das 'Sharek Youth Forum' -mit Euren Spenden Schul-Rucksäcke gekauft hat. Es ist gerade Pause. Alle Kinder stürzen sich auf mich, wollen hallo sagen. Ich muss hundert kleine Hände schütteln. Alle strahlen. Die Kinder, die alles verloren haben, sind so stolz auf ihre neuen Taschen. Bisher wurden an 14 Schulen 1.860 Rucksäcke verteilt. Mit Schulheften, Blei-und Buntstiften, Radiergummis, Spitzern. Dass ein kleiner Rucksack soviel Freude schenken kann!! Die Kinder verabschieden mich jubelnd: Ein paar Menschen da draußen haben an sie gedacht! Sie sind nicht ganz vergessen in ihrem Ruinen-Gefängnis! Wow!

Wir fahren zu einer Schule, die jetzt als Notunterkunft genutzt wird. Hier sind 346 Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht. 58 Familien! Unvorstellbar! Sieben Familien teilen sich ein Klassenzimmer. Um wenigstens etwas Privatsphäre zu schaffen, wurden Seile durch den Raum gespannt und Tücher drüber gehängt. Fertig! Auch hier werde ich freudestrahlend begrüßt. 26.176 Menschen (4.195 Familien) leben in solchen Notunterkünften. Während des Krieges wurden auch sie bombardiert, Kinder dabei getötet. Andere Ausgebombte leben in den Ruinen ihrer Häuser. Wie Höhlenmenschen. Gespenstisch!

Überall wo ich in Palästina war - in Bethlehem, Ramallah oder Gaza - werden die Palästinenser als Menschen zweiter Klasse behandelt. Eingesperrt, überwacht, diskriminiert kämpfen sie um ihre Würde. Sie helfen sich gegenseitig, machen sich Mut. Nur nicht aufgeben! Mir hat das sehr imponiert. 'Man gewöhnt sich an vieles, aber nicht an alles', meint ein liebenswerter alter Mann. Sein Lächeln ist unendlich traurig."

Soweit das Tagebuch von Johanna, das mir Tränen in die Augen treibt. In der Zwischenzeit sitzen im grenznahen israelischen Badeort Ashkelon unzählige 'Internationale Beobachter' in eleganten Hotels. Sie lassen es sich gut gehen. Kosten der Beobachter-Truppe: Dutzende Mio Dollar. In Gaza wollten die Herrschaften nicht wohnen. Obwohl dann die Menschen dort wieder was verdient hätten. So boomt halt die Tourismusbranche in reichen Ashkelon.

Euch allen danke ich nochmals für Eure Spenden. Inzwischen sind weitere 11.855 dazu gekommen. So konnten wir für Gaza insgesamt 38.054 € überweisen. Die USA und die EU haben noch nichts überwiesen. Keinen Cent. Von Israel wird ohnehin nichts kommen.
Unsre 'Stiftung Sternenstaub'- das heißt deren Boss, meine Tochter Valerie - hat nach Johannas Reise beschlossen, Gaza zu einem Schwerpunkt unserer Aktivitäten zu machen. Wir werden nicht warten, bis die Welt ihre Hilfszusagen einhält und bis Israel irgendwann gnädig die Tore für ein paar Stunden öffnet. Helft mit, dass Gaza nicht wieder vergessen wird. Gaza darf nicht sterben. Nie! Euer JT